Der Mythos

Die alten Griechen bezeichneten Orpheus, den Sohn des Apoll, als den Erfinder der Musik und des Tanzes. Wann immer er sang war alles um ihn herum wie verzaubert. Seine tiefe Liebe zu Euridike, seiner schönen Frau, war so stark, dass einer ohne den anderen nicht leben konnte. Doch eines Tages wurde Euridike von einer giftigen Schlange gebissen und starb. Orpheus war so traurig über den Verlust seiner Geliebten, dass all seine Lieder von nun an nur noch seinen Schmerz ausdrückten.

Da faßte Orpheus den Entschluß, ins Reich der Schatten hinabzusteigen und Hades, den Herrscher der Unterwelt zu bitten, ihm die Geliebte zurückzugeben. mutig schritt er durch die Schrecken des Totenreichs, bis er vor Hades' Thron stand. Noch nie zuvor war es geschehen, daß der finstere Herrscher sich von Mitleid hatte bestimmen lassen. Doch Orpheus Musik, ihre magische Kraft, überwältige ihn er ließ Eurydikes Schatten frei. Orpheus durfte sie jedoch nur unter einer Bedingung zurückbringen: während des Aufstiegs aus der Unterwelt war es ihm untersagt, Euridike seinen Blick zuzuwenden.

Sofort machte sich Orpheus auf den Rückweg, wurde jedoch bald er von Zweifeln ergriffen: folgte Eurydike wirklich seinen Spuren? Er lauschte auf den Atemzug der Geliebten und auf ein Rauschen ihres Gewandes. Von Liebe, Sorge und Angst überwältigt, wandte er sich nach der Geliebten um und sah sie bereits entschwinden. Seine Umarmung galt nurmehr ihrem Schatten.

All seine Versuche, die Unterirdischen zu neuer Milde zu stimmen waren vergeblich. Hades blieb unerbittlich. So starb Orpheus schließlich in den Flammen seiner Liebesklage. Dann erst stieg sein Geist hinab in die Unterwelt und fand schnell zu Euridice. Obwohl gefangen im Schattenreich, waren sie nun auf Ewigkeit vereint.