Orfeo die Figur

Orfeo hat keinen bestimmten Geburtstag, er war schon immer ein Teil von mir und es gelang mir, ihm seinen Raum zu schaffen.

Der treffende Bezug zur Mythologie wurde erst im nachhinein klar: Gefahr und Verzauberung sind wichtige Elemente meiner Arbeit, wenn auch in anderer Beziehung als bei Orpheus. Die Gefahr bei den Schleuderkugeln liegt im Risiko sich mit den Kugeln zu verletzen - sehr knapp schnellen sie vorbei an Kopf und Körper, für den Zuschauer in nicht nachzuvollziehenden Bahnen, ohne sich jedoch zu verheddern. Andererseits entsteht eine Verzauberung durch die Aura um die besondere Gestalt Orfeo, die das Publikum für einige Momente entführt in eine unbekannte Welt. Musik, Kostüm und Ausdruck spielen ineinander und ergeben ein harmonisches Ganzes.

Ständig entwickeln sich die Darbietungen und die Figur weiter, wie auch ich. Viele Verbesserungen ergeben sich während der Auftritte, im Austausch mit dem Publikum. Im Vorfeld einer Show versuche ich zwar mich etwas zu besinnen, die richtige Energie kommt aber erst auf der Bühne, genauso wie die Offenheit, kein immergleiches Schema zu fahren, sondern auf Gegebenheiten einzugehen und mich daran weiterzuentwickeln. Die Androgynität ist ein natürlicher Teil von mir, nicht aufgesetzt oder angeschminkt Auch sie bildet ein tragendes Element. Das Geheimnis ist, das zu entdecken, was in mir selbst liegt und es zu betonen.

Ich sehe mich nicht als Tänzer oder Varietekünstler, sondern als Orfeo, einer Persönlichkeit, die in vielfältigem Kontext funktioniert, Sparten vereint und Verbindungen schafft. Auch die Kreation einer neuen Darbietung, bedeutet für mich, spartenübergreifend zu arbeiten. Als ich zum Beispiel die Fächerdarbietung erarbeitet habe, lag die Idee zugrunde, spanische mit asiatischen Elemente zu verbinden. In beiden Kulturen spielt der Fächer ein Rolle: zum Einen als Ornament, zum Anderen als Waffe. Meiner Meinung nach bewirkt diese Verbindung zweier Kulturen, indem sie nicht auf ein gewohntes Bilde baut, sondern dieses verlässt, eine Verwirrung und damit eine Neugierde und Erstaunen bei den Zuschauern. Außerdem ist es für mich immer wieder spannend, Neuland zu betreten, indem ich zum Beispiel die Möglichkeit nutze, ein ungewöhnliches Requisit in meiner Darbietung einzusetzen An den genauen Beginn einer Idee kann ich mich selten erinnern. Am Anfang steht zunächst eine vage Ahnung, der man den nötigen Nährboden geben muss, um zu reifen. Später ist die Idee dann Dreh- und Angelpunkt einer Darbietung, sowohl in Bezug auf die gewählte Technik, als auch die Präsentation.