Orfeo Tango Konzert für einen Tänzer

Es war Orpheus, der seine Geliebte Euridice mit der Kraft seiner Musik aus der Schattenwelt rief. Jetzt weckt er alle Lebensgeister im Hagel seiner mitreißenden Rhythmen.

Orfeo als Tänzer und Euridice als Sängerin ergänzen sich symbiotisch: sie konkurrieren und harmonieren mit argentinischem Temperament und funkenschlagenden Rhythmen. Die betörenden Klänge des Tango Quintetts und ein zündender Percussionist machen die Darbietung zu einem Fest für alle Sinne.

Eine musikalische Zeitreise rückt die Alte und die Neue Welt zusammen. Die Bolas der Gauchos trommeln auf die harte Erde der Pampas und in den Salons der Städte versetzt der Tango die Tänzer in leidenschaftliche Trance das stolze Mutterland Spanien stampft seinen Flamenco in rasender Eifersucht. Die Musik erzählt vom Drama der Liebe und der Tanz rebelliert gegen die Sterblichkeit.

Szenische Musik und musikalische Szenen rücken das feurig Dramatische der spanisch-südamerikanischen Klänge ins Zentrum dieser Beschwörung einer unbändigen Lebenslust, die den Zuhörer magisch in die Welt eigener Sehnsüchte entrückt.

Der Tango - Tanz der Portenos

Der Tango ist zeitlos. Er entsteht im Buenos Aires des 19. Jahrhunderts durch die portenos, den Bewohnern der Stadt, einer Mischung aus Immigranten und Zugezogenen vom Landesinneren, und ist Ausdruck einer Lebensphilosophie, die geboren ist aus der Heimatlosigkeit und der Suche nach einem Neubeginn im Leben und in der Liebe. Die Tangotexte beklagen das Leid und den Missstand. Sie singen von Einsamkeit und verlorener Liebe, können ernst sein und von bitterem Zynismus, ironisch und verträumt, sehnsüchtig und kraftvoll zugleich, bereit zum Kampf.

Der Tangotanz erfüllt die Nähe. In der Umarmung tanzt das Paar eng umschlungen. Mann und Frau treten in einen Dialog, ein Gespräch bei dem sie keine Worte brauchen. Der Tango wird improvisiert, der Rhythmus der Musik ist der Leitfaden, an dem sich beide orientieren und finden können. Der Tango an sich ist melancholisch, auch in gewisser Weise traurig und einsam, vielleicht deshalb weil in der Begegnung bereits die Trennung liegt. Im Tango tanzt das Paar die Beziehung, das, was sie sich zu sagen haben, verbunden in der Harmonie und sich auseinandersetzend in der Spannung. Ihre Rollen sind gleichwertig, wenn auch nicht gleichartig. Und in ihrer Verbindung finden sie zu einer neuen Stärke, einer Stärke in ihrer Gemeinsamkeit.

Dualität ist ein zentrales Thema im Tango: Alles oder Nichts, Mann und Frau, Liebe oder Hass, Nähe oder Distanz, Führen und Begleiten.

Der Malambo Tanz der Gauchos

Die Mischung aus spanischer, indianischer und afrikanischer Folklore, basierend auf dem 6/8 Takt, einer typisch lateinamerikanische Rhythmik, wird Malambo genannt. Getanzt von den Gauchos, den Cowboys der argentinischen Pampas, als typischer Männertanz, bei dem man sich gegenseitig an Virtuosität übertreffen wollte. Ursprünglich als malambo zapateado (mit den Stiefeln) und malambo bombo (mit der Trommel), später wurden die boleadoras (Schleuderkugeln als typisches Fangwerkzeug der Gauchos) als Rhythmusinstrument dazu genommen.